Ein Blick hinter die Kulissen unseres regionalen Bio-Großhandels: Im Rahmen der Regio Challenge Göttingen öffnete Jonathan Mesecke, Geschäftsführer von Naturkost Elkershausen, am 3. September 2026 für uns die Türen des Unternehmens. Bei der Betriebsbesichtigung erhielten wir spannende und persönliche wie auch sehr ehrliche Einblicke in seine Arbeit als Bio-Großhändler. Wir erfuhren, welche Bedeutung der Großhandel für eine regionale und nachhaltige Lebensmittelversorgung hat und warum die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten in Zeiten globaler Lieferbeziehungen besonders wichtig sind.
Bio-Großhandel mit langer Geschichte
Naturkost Elkershausen gehört zu den Pionieren der deutschen Bio-Branche. Seit bald 50 Jahren ist das Unternehmen im Naturkosthandel tätig und hat die Entwicklung und den Aufbau der Bio-Handelsstrukturen in Deutschland mitgestaltet. Heute beschäftigt Naturkost Elkershausen rund 150 Mitarbeitende und beliefert Bioläden in ganz Norddeutschland von Ostfriesland bis nach Hessen mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln.
Dabei ging es von Anfang an um mehr als den reinen Handel mit Bio-Produkten. Über die Jahrzehnte wurden langfristige Handelsbeziehungen aufgebaut und Initiativen mitentwickelt, die sich für faire Bedingungen entlang der Wertschöpfungskette einsetzen. Dazu gehören auch das Fair-Bio-Siegel sowie der Aufbau von Handelsstrukturen für ökologisch erzeugte Produkte bis nach Südeuropa. Eine wichtige Grundlage bildet dabei bis heute der direkte und persönliche Beziehungen mit den Produzent*innen.
Regionalität braucht verlässliche Partnerschaften
Ein besonderer Schwerpunkt von Naturkost Elkershausen liegt auf der Zusammenarbeit mit regionalen Erzeugerbetrieben. Das breite Sortiment regionaler Bio-Produkte basiert auf langjährigen persönlichen Partnerschaften, gegenseitigem Vertrauen und dem Anspruch, faire Preise für die landwirtschaftlichen Betriebe zu ermöglichen. Auf dieser Grundlage wird die Vermarktung von Bio-Produkten immer weiter entwickelt.
Wie dieser Anspruch praktisch umgesetzt wird, zeigt sich unter anderem an der Eigenmarke VON, unter der vor allem Mehle, Saaten, Hülsenfrüchte und Obstsäfte vermarktet werden. Auf den Verpackungen wird genau angegeben, von welchem Hof und aus welchem Ort die jeweiligen Produkte stammen. So wird für Verbraucher*innen sichtbar, wer hinter den Lebensmitteln steht und wo sie erzeugt wurden. Die Idee dahinter bringt Naturkost Elkershausen selbst auf den Punkt: „Nähe und Verantwortung bilden für uns alle die Basis, um gemeinsam ökologisch und sozial engagiert zu handeln – für Euch nah!“
Diese Verbindung von Herkunftstransparenz, persönlichen Handelsbeziehungen und fairer Preisgestaltung macht deutlich, dass Regionalität mehr bedeutet als kurze Transportwege. Sie setzt voraus, dass Erzeugung, Verarbeitung und Handel miteinander vernetzt sind und die beteiligten Betriebe langfristig eine wirtschaftliche Perspektive haben.
Über 10.000 Bio-Produkte – ein Blick in die Logistik
Neben den Gesprächen über die Geschichte und die Werte des Unternehmens konnten wir bei einem Rundgang auch einen ganz praktischen Einblick in die Abläufe des Großhandels gewinnen. Mit einem Sortiment von über 10.000 Produkten ist Naturkost Elkershausen ein wichtiges Bindeglied zwischen Erzeugerbetrieben und den Bioläden sowie gastronomischen Betrieben, die mit den Waren beliefert werden.
Besonders eindrücklich war es, die Menge an Waren und die dahinterstehende Organisation kennenzulernen. Von der Lagerlogistik über die Zusammenstellung der Bestellungen bis zur Auslieferung mit dem eigenen Fuhrpark greifen zahlreiche Arbeitsschritte ineinander. Erst durch diese logistischen Strukturen wird es möglich, eine große Vielfalt ökologischer Lebensmittel zuverlässig für den Handel und die Gastronomie bereitzustellen.
Der Rundgang machte deutlich, wie viel Organisation, Abstimmung und Arbeit notwendig sind, bevor ein Produkt schließlich im Regal eines Bioladens landet.
Regionale Versorgungsstrukturen stärken
Für uns als Ernährungsrat war die Besichtigung besonders interessant, weil wir allen Interessenten die zentrale Rolle des Großhandels innerhalb unseres Ernährungssystems sichtbar machen konnten. Wenn wir über regionale Lebensmittelversorgung sprechen, stehen häufig die landwirtschaftliche Erzeugung und der Einkauf durch die Verbraucher*innen im Mittelpunkt. Weniger sichtbar sind die Handels- und Logistikstrukturen dazwischen. Dabei sind gerade diese entscheidend dafür, ob regionale Produkte überhaupt in ausreichender Menge und Vielfalt ihren Weg in den Handel und die Außer-Haus-Verpflegung finden.
Eine funktionierende regionale Lebensmittelversorgung braucht deshalb nicht nur engagierte Erzeuger*innen und eine entsprechende Nachfrage, sondern auch verlässliche Handelsbeziehungen, faire wirtschaftliche Bedingungen und gut organisierte Vertriebswege.
Gerade in Krisenzeiten gewinnen diese Strukturen zusätzlich an Bedeutung. Regionale Wertschöpfungsketten können dazu beitragen, die Lebensmittelversorgung widerstandsfähiger zu gestalten und Abhängigkeiten von weit verzweigten Lieferketten zu verringern. Damit sind sie auch ein wichtiger Baustein für Ernährungssicherheit und Notfallvorsorge. Gleichzeitig bieten regionale Wertschöpfungsketten auch den Produzent*innen wichtige Planungssicherheit und vertrauensvolle Vermarktungswege.
Die Betriebsbesichtigung bei Naturkost Elkershausen hat uns gezeigt, wie eng ökologische Landwirtschaft, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, persönliche Beziehungen und funktionierende Logistik miteinander verbunden sind. Sie hat zugleich deutlich gemacht, dass eine nachhaltige und regionale Lebensmittelversorgung nicht allein auf dem Acker entsteht, sondern auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette gestaltet werden muss.
Wir bedanken uns bei Jonathan Mesecke für die offenen Gespräche, die persönlichen Einblicke und die Gelegenheit, hinter die Kulissen des regionalen Bio-Großhandels zu schauen.







